Nora hatte kein Ersatzrad dabei

Zwischenfall mit Flugzeug-Oldtimer bei der ILA – Reifen geplatzt

(Aktualisiert mit möglichen Ursachen – Korrektur im ersten Absatz: Südbahn, nicht Nordbahn)

Die "Noratlas de Provence" vor dem Flug am Freitag. © alle Bilder: Thomas Rietig
Die „Noratlas de Provence“ vor dem Flug am Freitag. © alle Bilder: Thomas Rietig

Berlin, 23. Mai (ssl) Mit einem Reifenplatzer hat am Freitagnachmittag ein Oldtimer-Flugzeug vom Typ Noratlas auf der ILA Berlin Air Show einen Vorführflug beendet. Der Reifen des rechten Seitenfahrwerks an dem 58 Jahre alten ehemaligen Transportflieger der französischen Luftwaffe platzte nach Angaben von Crewmitgliedern beim Aufsetzen auf der Südbahn (richtig) des Schönefelder Flughafengeländes. Verletzt wurde demnach niemand, der Sachschaden dürfte sich in Grenzen halten.

Zuvor hatte die zweimotorige Maschine mehrere Schleifen über der Südbahn des Schönefelder Flughafens geflogen, die normalerweise gesperrt ist und zurzeit nur für ILA-Flüge zur Verfügung steht. Regulär in Betrieb genommen wird sie voraussichtlich erst bei Eröffnung des neuen Flughafens BER.

Die Maschine landete nach einem gewollt relativ steilen Anflug trotz Westwinds in West-Ost-Richtung. Sie setzte etwa in der Mitte der etwa 4 Kilometer langen Piste auf, deshalb bremste der Pilot scharf. Dies und vermutlich die noch sehr raue Oberfläche der wenig benutzten Piste führten wahrscheinlich zur Havarie des Reifens, Mit einer Rauchfahne hinter sich kam die Maschine an östlichen Ende der Landebahn zum Stehen. Die Crew hatte sie aber erkennbar ständig im Griff, sodass weder sie noch etwa Dritte gefährdet waren.

Sicherheitshalber rückte die Flughafenfeuerwehr dennoch in voller Stärke aus. Die durch die Antriebe der Feuerwehrautos verursachte Rauchwolke war deutlich intensiver als die, die sich nach dem Platzen des Reifens hinter der Noratlas entwickelte.  Es dauerte knapp eine Stunde, bis die Maschine wieder rollfähig gemacht war, zwei Unimogs angedockt hatten und es gelang, sie von der Bahn zu ziehen. Diese wurde danach gereinigt und überprüft, und mit einer Parade der „Patrouille de Suisse“ wurde das Flugprogramm am Abend fortgesetzt. Die Maschine wurde anschließend weit weg vom ILA-Gelände vor dem Gebäude des uneröffneten BER-Flughafens abgestellt. Einem Messe-Sprecher zufolge hatte die Crew kein Reserverad im Gepäck, sodass die Maschine wohl erst wieder nach Frankreich zurückfliegen kann, wenn Ersatz beschafft wurde.

Start mit intaktem Triebwerk.
Start mit intaktem Triebwerk.

Das letzte flugfähige Exemplar

Die französische „Noratlas de Provence“, ein Schulterdecker (das heißt, der Rumpf hängt unter den Flügeln) mit markantem Doppelleitwerk ist das letzte flugfähige Exemplar seines Typs. Historisch steht die zweimotorige Noratlas am Anfang einer Reihe militärischer und ziviler Transporter europäischer Bauart, deren Ende vorläufig der Airbus A400M bildet. Er ist ebenfalls im Flugprogramm der ILA vertreten.

Die Noratlas 2501 hat ein maximales Startgewicht von 21,7 Tonnen und kann mit einer Reisegeschwindigkeit von 320 km/h 2.500 Kilometer weit fliegen. Ihre Motoren leisten zusammen 2.068 PS. Von ihr wurden insgesamt 425 Stück gebaut. Die erste hob 1949 auf dem Flughafen von Melun-Villaroche 50 km südöstlich von Paris ab. In Frankreich wurde die letzte 1988 außer Dienst gestellt. Die französischen Streitkräfte besaßen 208 Noratlas. Darüber hinaus besaßen auch die israelische, griechische, portugiesische und die deutsche Luftwaffe „Noras“. Ein Exemplar der deutschen Luftwaffe kann im Luftwaffenmuseum Berlin-Gatow besichtigt werden.

Noratlas-11

Souverän in der Luft.
Souverän in der Luft.

 

Die auf der ILA gezeigte trägt die Nummer 105 und flog 1956 zum ersten Mal. Nach einem „ruhmreichen und allerletzten Einsatz als Begleitflugzeug der Patrouille de France“, wie der Verein Noratlas de Provence schreibt, wurde sie 1986 außer Dienst gestellt. Nachdem sie einige Jahre lang am Rande des Flugplatzes von Aix-en-Provence, Les Milles, vor sich hin rostete, bildete sich dort eine Vereinigung „Luftfahrt Leidenschaft“, die das Flugzeug in 18.000 Arbeitsstunden wieder flugfähig instandsetzte. 1995 hatte Nora ihren zweiten Jungfernflug. Inzwischen hat sie neue Triebwerke, einen neuen Anstrich mit markanter grüner Nase und neue Triebwerke. Sie ist in Marseille-Marignane ganz in der Nähe von Aix Les Milles stationiert. Seit dem vergangenen Jahr wird sie von Airbus gesponsert und ist nach Angaben des Vereins Teil der Airbus Group Heritage Flight.

http://noratlas-de-provence.com/

Im Landeanflug.
Im vorerst letzten Landeanflug.
"Klotz am Bein": Noratlas wird abgeschleppt.
„Klotz am Bein“: Noratlas wird abgeschleppt.

Zu den deutschen „Noras“ geht es hier.