Schlagwort-Archive: Bücher

Unter der Apokalypse hindurch

Leisters neuer Roman „Das U-Boot“ spielt wieder mit dem Tunnelmotiv

Berlin, 07. Juli (ssl) Als Hans Leister mir sein neuestes Buch „Das U-Boot“ zur Rezension anbot, zögerte ich vor der Zusage kurz. Das Buch eines langjährigen Bekannten und Kollegen besprechen? „Was“, dachte ich, „wenn du es am liebsten verreißen würdest?“ Ich hatte sein erstes Buch nicht gelesen, deshalb wusste ich nicht, was mit dem „Thriller“ auf mich zukam, einem Genre, dem ich weniger zuneige. Dann dachte ich: Das muss die Bekanntschaft aushalten. Nach der Lektüre kann ich sagen: Es wird nicht zum Bruch kommen.

Der Autor hat Glück gehabt, dass Lothar-Günther Buchheim seinen epochalen Bestseller über ein Unterseeboot im Zweiten Weltkrieg nur „Das Boot“ genannt hat, sodass Leister etwas präziser werden konnte. Bei allem Wohlwollen lasse ich mal offen, ob „Das U-Boot“ die Berühmtheit von „Das Boot“ erreichen wird. Vielleicht sollte Leister Herbert Grönemeyer oder Jürgen Prochnow ein Exemplar schicken.

Buchdeckel. © Benevento Verlag 2022
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Bücherkorb 2022-2: Zeitgenossen Hemingway und Amundsen

Meine Lektüre im zweiten Quartal 2022 – Viel über die „lost generation“ und „lost“ Polarforscher

© Simon & Schuster

Berlin, 26. Juni 2022 (ssl) Die Leseerfahrungen der vergangenen drei Monate umfassen Sachbücher zu historischen und aktuellen Themen, etwa Verschwörungstheorien, aber auch Romane aus Gegenwart und Vergangenheit. Dabei stellten sich sowohl erwartete als auch überraschende Erkenntnisfortschritte ein. Es sind etwas mehr geworden als in der vorherigen Folge, weil sich immer mehr Bücher aufgefordert und unaufgefordert in meinem Briefkasten bzw. den Gabentischen sammeln und zugleich die anderen Aktivitäten, wohl wegen der Nachwehen der Pandemie, noch nicht wieder volle Fahrt aufgenommen haben. Allerdings habe ich eine Fernreise mit dem Neun-Euro-Ticket unternommen , die reichlich Gelegenheit zum Lesen bot.

Zur Systematik, oder besser gesagt: Anarchie, der Buchauswahl finden Sie etwas am Ende des Posts.

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Mehr als irres Geschwurbel

Ronald H. Fritze: Jahrhunderte voller Hoffnung, Angst und Schrecken durch Verschwörungen

Berlin, 09. Mai (ssl) Vor gut 2700 Jahren wurde Samaria, die Hauptstadt des antiken Nordreichs Israels, von den Assyrern erobert. Samaria liegt im heutigen Westjordanland, nicht weit von Nablus. Bei der Eroberung kamen viele Menschen ums Leben, viele wurden unterworfen, einigen gelang die Flucht. Dieses Ereignis und die letztgenannte Gruppe sind der Ausgangspunkt einer der langlebigsten Verschwörungstheorien, nämlich die der Zehn Verlorenen Stämme Israels. Die Geflüchteten oder Vertriebenen leben und vermehren sich angeblich irgendwo auf der Erde weiterhin, beobachten das Weltgeschehen und warten auf eine Gelegenheit, sich für das ihnen Angetane zu rächen, und sei es über das Mittel der Weltherrschaft. Allein: bis heute hat es nicht geklappt. Oder doch? 

Buchdeckel. © Foto: Midas AG
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Vom „Simpl“ bis zu den Ochsen von Laon

Meine Lektüre bis Ende März 2022 – Viel Frankreich, einmal Zwischenkriegszeit, einmal internationale Krisen

Berlin, 29. März 2022 (ssl) Aus pandemischen Leseerfahrungen werden jetzt auch noch krisenhafte Leseerfahrungen. Die Liste der gelesenen ebenso wie der zu lesenden Bücher wird immer länger, und das schöne Wetter im März hat die Lesezeit etwas verkürzt. Ein kurzer Paris-Aufenthalt beeinflusste die Liste ebenfalls massiv, nachdem schon vorher ein aktueller Bestseller mit Frankreich-Bezug vor mir lag. Hier also nun die Lektüren Nummer 56 bis 60.

Der Autor vor dem berühmten Bücherladen. © Arrow Books

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Pandemie 2022-1: Naturerfahrungen durch die Jahrhunderte

Meine Lektüre im ersten Quartal 2022 – Von Younghusband über Zweig zu Schrott

Berlin, 17. Februar 2022 (ssl) Nun gehen meine gesammelten pandemischen Leseerfahrungen schon ins dritte Jahr. Es ist eher Zufall, dass sie diesmal mit Büchern über individuelle Methoden und Erfahrungen beginnen, wie sich der/die Einzelne durch Naturerfahrung, ob extrem oder alltäglich, möglicherweise höhere, auf jeden Fall aber optimistische Lebensperspektiven aneignen kann, aber in anhaltenden Corona-Zwängen kann das ja nicht schaden. Bemerkenswert ist dabei, dass das Erscheinungsdatum der beiden ersten Bücher knapp 90 Jahre auseinander liegt.

Mohn. Zu dem Buch „Wo die wilden Pflanzen wohnen“ (#54)

(Zur Systematik, oder besser gesagt: Anarchie, der Buchauswahl finden Sie etwas am Ende des Posts.)

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Der Hopfen ist ein Rechtswinder

Ewald Webers Pflanzenbuch: Wo die wilden Pflanzen wohnen

Berlin, 03. Februar (ssl) Wussten Sie, dass es Rechtswinder und Linkswinder gibt? Im Gegensatz zu den HänderInnen beim Menschen sind bei den Schlingpflanzen die Rechtswinder die Ausnahme, also jene, die sich – wie der Hopfen – im Uhrzeigersinn um ihre Stütze herum hochwinden. Dies und andere botanische Details wild wachsender heimischer Pflanzen lernt, wer „Wo die wilden Pflanzen wachsen“ des Potsdamer Biologen Ewald Weber liest. In dem mit anschaulichen bunten Aquarellen und Schwarzweiß-Zeichnungen von Rita Mühlbauer ausgestatteten Buch nimmt er sich kleine und große, unscheinbare und geradezu gewaltige Pflanzen vor und erklärt, wo ihr Platz im Gefüge der Biosphäre ist beziehungsweise wo der Mensch in seinem Bemühen, die Welt zu kultivieren, ihnen einen Platz gelassen hat.

Herbstzeitlose. © alle Fotos: Thomas Rietig
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Nicht nur Eulen nach Athen

In „Mondnacht – Fünf vor Zwölf“ trifft Klimaschutz auf Poesie

Berlin, 6. Oktober (ssl) Ein Buch, das lediglich politische Artikel über die Anforderungen des Klimaschutzes enthält, würde ich mir nicht kaufen, nicht einmal leihen, auch wenn in ihm verschiedene Standpunkte zusammengeführt werden, wie die Pariser Ziele zur Begrenzung der Erderwärmung zu erreichen sind. Ich brauche es nicht mehr: Es hieße Eulen in Athen zu züchten. Das Buch „Mondnacht – Fünf vor Zwölf“ habe ich trotzdem gelesen, weil es solche Artikel mit klassischen Gedichten von Andreas Gryphius über Shakespeare, Goethe und Eichendorff bis Günter Plessow verbindet.

Und tatsächlich: Zunächst macht sich Enttäuschung breit, weil all die Forderungen und Statistiken wiederholt werden, die wir schon kennen. Da wirken die Gedichte, die nicht immer direkt mit dem Klimawandel in Zusammenhang zu bringen sind, beruhigend.

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Pandemie 2021-3: Von Urmel über Leuchttürme zum deutschen Wald

Meine Lektüre im dritten und vierten Quartal 2021

Berlin, 29. Oktober (ssl) Der vierte Teil meiner gesammelten pandemischen Leseerfahrungen beginnt mit einem Buch über eine prägende Fernseh- und Theatererfahrung meiner Kindheit und Jugend: „Herzfaden“ von Thomas Hettche, einem „Roman der Augsburger Puppenkiste“. Mal sehen, wie lange es diesmal dauert, elf Bücher zu lesen. Die Pandemie ist noch nicht zu Ende, mehr Arbeit als im zweiten Quartal gibt es auch nicht, sodass Zeit zur Verfügung steht. Wie immer, ist die Auswahl der Bücher mehr oder weniger dem Zufall überlassen. Natürlich lese ich weder Bücher über Sachen, die mich überhaupt nicht interessieren, noch Romane, die mir schon vom Klappentext her nichts zu bringen scheinen. Aber das Bedürfnis, das Wissen in einem bestimmten Gebiet zu vertiefen. Oder (Vor-) Urteile innerhalb der Gesellschaft zu verifizieren oder zu falsifizieren. Oder Neugier. Oder eine Empfehlung oder einfach ein „Festlesen“ in einem Buch, das einem beim Nachschlagen in einem anderen in die Hände fällt. Oder ich greife mir eins, das ich schon immer mal lesen wollte. Die ersten drei Teile mit jeweils elf Buchbesprechungen mit Empfehlungen – oder eben auch nicht – finden die Leser hier und hier und hier. Und in diesem Beitrag stehen die nächsten.

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Pandemie 2021-2: Von Boyle über Erasmus bis Slocum

Meine Lektüre im zweiten Quartal 2021

Berlin, 22. August (ssl) Der dritte Teil meiner gesammelten pandemischen Leseerfahrungen beginnt mit einem aktuellen Topseller: „Sprich mit mir“ von TC Boyle. Auch wenn ich selbst im tiefsten Winter das „Draußen“ nie vernachlässigt habe, nahm doch der Literaturkonsum einen großen Teil meiner Zeit in Anspruch. Nun, da der Frühling endlich eintritt, kann es sein, das der Buchkonsum quantitativ hinter Outdoor-Aktivitäten zurückstehen muss. Durch die harte Phase der Pandemie haben die Bücher aber sehr wohl geholfen. Deren Auswahl war und ist mehr oder weniger dem Zufall überlassen. Das kann die Idee sein, das Wissen in einem bestimmten Gebiet zu vertiefen. Oder (Vor-) Urteile innerhalb der Gesellschaft zu verifizieren oder zu falsifizieren. Eine Empfehlung oder einfach ein „Festlesen“ in einem Buch, das einem beim Nachschlagen in einem anderen in die Hände fällt. Oder ich greife mir eins, das ich schon immer mal lesen wollte. Oder, wie bei Boyle, der Gang zum glücklicherweise geöffneten Buchladen. Die ersten beiden Teile mit jeweils elf Buchbesprechungen mit Empfehlungen – oder eben auch nicht – finden die Leser hier und hier , und in diesem Beitrag stehen die nächsten.

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Pandemie 2020: Von Hesse bis Nettles

Meine Lektüre im vergangenen Corona-Jahr

Berlin, 10. Januar (ssl) Die Pandemie verlangt uns allen mehr oder weniger große Verhaltensänderungen ab. Manche sind auch ganz willkommen. Zum Beispiel liest man mehr Bücher. Bei mir fing es mit der Diskussion um die Umbenennung der Berliner Mohrenstraße an. Dazu nehme ich hier gar nicht weiter Stellung, aber ich überlegte mir, wenn alle vom deutschen Kolonialismus reden, würde ich doch gerne mal wissen, wie er sich in der Gesellschaft objektiviert hat, als „wir“ noch Kolonien hatten, und ich erinnerte mich eines Jugendbuches aus dem frühen 20. Jahrhundert in meinem Besitz. Es gab tatsächlich Aufschluss über den strukturellen Rassismus und Nationalismus in der damaligen deutschen Gesellschaft.

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